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BASF-Chef: "Was spricht eigentlich noch für Investitionen in Europa?"

BASF-Chef Martin Brudermüller erläutert, warum der Chemie-Konzern gerade zehn Milliarden Dollar in ein neues Werk in China investiert und wie er die weiteren Aussichten für das Unternehmen in Deutschland und Europa bewertet.
BASF-Chef: "Was spricht eigentlich noch für Investitionen in Europa?"Quelle: www.globallookpress.com © Wu Tao/Xinhua

Gleich zu Beginn eines Interviews mit dem Handelsblatt wurde der BASF-Chef des Standorts Ludwigshafen Martin Brudermüller gefragt, ob er für die Kritik an seiner jüngsten China-Reise mit Bundeskanzler Olaf Scholz Verständnis habe. Hierzu bemängelte der BASF-Chef die fehlende Ausgewogenheit in der Diskussion über China. Aktuell fokussiere man sich in Bezug auf China zu sehr auf das Negative. Zwar mache auch ihm Sorgen, dass die frühere politische Pluralität innerhalb der Kommunistischen Partei zurückgegangen sei. Aber China sei eben hochdynamisch. In der Chemiebranche mache das Land mittlerweile fast 50 Prozent des Weltmarkts aus. Und BASF erreiche in China zwölf Milliarden Euro Umsatz.

Hinsichtlich politischer Entwicklungen und des eigenen Wertesystems gebe es für die Geschäftstätigkeit des Unternehmens rote Linie, aber diese gälten nicht nur für China, sondern für jedes Land und für jeden Markt, führte Brudermüller aus.

Das Handelsblatt fragte als Nächstes nach seiner Meinung zum "Taiwanrisiko". Diese Situation werde regelmäßig neu ausgewertet. Passierte dort etwas, das "humanitär der Worst Case wäre", wäre die BASF-Investition in China das geringste Problem, denn:

"Dann würde sich die Welt wohl von China abwenden, mit schwerwiegenden politischen und wirtschaftlichen Folgen", so der BASF-Manager.

Schließlich produziere man in China vorwiegend für den chinesischen Markt, und mit dem Verlust des Chinageschäfts ginge ein erheblicher Gewinn und Vermögenswerte verloren.

BASF betreibe ein aktives Risikomanagement, "indem wir diversifizieren und ja auch in andere Regionen stark investieren". Beispielsweise – und das sei von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen worden – habe das Unternehmen im Sommer die letzte Phase der Erweiterung der Produktion für das Kunststoffvorprodukt MDI für insgesamt 800 Millionen in den USA angestoßen. Die größten Probleme sieht Brudermüller aktuell in der Vernachlässigung der Frage nach der europäischen Wettbewerbsfähigkeit. Dazu stellte er fest:

"Das Grundproblem besteht einfach darin, dass wir darüber die eigentlich wichtigere Debatte völlig vernachlässigen, wie wir die internationale Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie wieder signifikant verbessern können."

Man müsse viel mehr über die europäische Wettbewerbsfähigkeit nachdenken. Schon seit einer Dekade schwächele das Wirtschaftswachstum in Europa. Im dritten Quartal dieses Jahres sei der europäische Chemiemarkt um sechs Prozent geschrumpft. In der Situation müsse man in Europa noch "eine überbordende Regulierung im Rahmen des Green Deals der EU bewältigen".

Die Grundausrichtung des Green Deals wolle der Chemiekonzern ja unterstützen und teile die Vision prinzipiell. Aber den aktuell eingeschlagenen Weg hält der Manager nicht für erfolgversprechend. Und er frage sich schon nach der Motivation für europäische Investitionen:

"Mir macht daher Sorge, dass sich in diesem schwierigen, weil überregulierten Europa Investitionen längerfristig verlagern könnten, beispielsweise in die USA. Was spricht eigentlich noch für Investitionen in Europa?"

Als Teil eines überdimensionierten regulatorischen Werkzeugkastens gebe es jetzt schon 7.100 Seiten an Regulierung für die Chemieindustrie. Dabei habe die EU-Bürokratie hat gerade erst losgelegt. Das werde den transformatorischen Umbau weiter verzögern.

Mit 47 Terawattstunden pro Jahr gilt BASF als größter industrieller Gasverbraucher in Europa. Das Handelsblatt fragte den Konzernchef deshalb auch nach der Reduktion des Energieverbrauchs des Chemiewerkes. Brudermüller zufolge verringere man bereits den Energie- und Gasverbrauch. Allerdings resultiere der größte Teil der Einsparungen aus Produktionsabschaltungen. Bei Ammoniak oder Acetylen sei die Produktion teilweise runtergefahren worden. Man erreiche die Einsparungen also mit reduziertem Absatz und Wachstum. Dennoch bezahle man in Europa etwa dreimal so viel für Gas wie im Vorjahr und neunmal so viel wie 2020.

Die geplante Gaspreisbremse wolle BASF nach Möglichkeit nicht nutzen, weil man zurzeit noch den Ehrgeiz habe, diese Probleme ohne Staatshilfe zu bewältigen. Zudem müsse die Hilfe differenziert eingesetzt werden. Grundsätzlich begrüße man das Instrument der Gaspreisbremse, insbesondere als Hilfe für viele kleine und mittelgroße Unternehmen, die sich in einer schwierigen Lage befänden. Deutschland brauche diese Unternehmen in der Wirtschaftskooperation, betonte Brudermüller:

"Viele dieser Firmen haben wichtige Funktionen in unserem industriellen Ökosystem, und wir müssen Interesse haben, sie zu erhalten."

Hinsichtlich der Befürchtungen nach einem Kahlschlag im Ludwigshafener Werk äußerte sich der BASF-Chef trotz allem optimistisch: "Solche Szenarien sind absoluter Unsinn. Ich bin überzeugt, dass wir diese Herausforderungen erfolgreich und sozialverträglich meistern werden. Entlassungen sind in Ludwigshafen ohnehin bis 2025 ausgeschlossen. Gerade in Krisenzeiten ist das BASF-Team am stärksten darin, nötige Veränderungen zu bewältigen. In den 157 Jahren seit der Gründung ist es immer wieder gelungen, diesen Standort so auszurichten, dass er wettbewerbsfähig ist."

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